Gehirn-gerecht-Machen neuer Lerninhalte nach Vera F. Birkenbihl

 

 

Wie schaffen wir es, uns neue Infos selbstverantwortlich gehirn-gerecht zu machen, wenn man sie uns schwer verdaulich angeboten hat? Denn nur so können wir sie sauber konstruieren, um sie später wieder ebenso sauber re-konstruieren zu können!

 

Metapher: Denk an die Zubereitung eines Schnitzels, wobei das Schnitzel die zu lernende Information symbolisiert. Ein schlechter Koch kann das beste Schnitzelfleisch zerstören, ein mittelguter Koch wird ein mittelgutes Schnitzel produzieren, aber die besten Köche schaffen es, dasselbe Stück Fleisch so anzubieten, dass es dir quasi auf der Zunge zergeht.

Auf der anderen Seite kommen wir immer wieder in Situationen, wo wir uns selbst die Lern-Inhalte genussvoll zubereiten müssen. – Sprich: Wie kann ich beim Lernen aus dem ausgetrockneten Fleisch nachträglich noch eine Speise zaubern, die ich genießen kann?

 

Viele stöhnen im ersten Ansatz bei der Idee, die Lernenden sollten Verantwortung übernehmen und ihre Lern-Inhalte selbst aufbereiten – aber das ist eine Notwendigkeit! Einerseits müssen wir selbst alle Lern-Inhalte an unsere eigenen Wissens-Netze anknüpfen und das funktioniert nur selbstverantwortlich – andererseits sind natürlich die Lehrenden gefordert, ihre Infos gehirn-gerecht an- und darzubieten – die zu lernende Information muss schmackhaft gemacht werden!

 

Die Anleitung von Frau Vera F. Birkenbihl zur Aufbereitung eigener Lern-Inhalte ist umfassend – hier ein kurzer Überblick, wie es funktioniert:

1) Start/Vorbereitung: wir planen ein Modell = mentale Einteilung der zu lernenden Infos in wenige Kategorien

2) Wir bauen Denk-Modelle

3) Wir beschriften das Modell mittels Fach-Begriffen, sprich, wir vertiefen das tiefere Wissen durch Fachwörter und Etiketten.

4) Intelligente Fragen formulieren. Konkrete Situationen finden, in denen uns das neue Wissen hilfreich ist.

5) Realitäts-Check: Was können wir im wirklichen Leben mit diesem Wissen anfangen? Virtuelles Erleben der Zukunft.

(nach Vera F. Birkenbihl: Stroh im Kopf?, 47. mvgVerlag; 1993 GABAL-Verlag, Speyer. Heidelberg 2007.)

 

Welche Erfahrungen habt ihr mit dem selbstständigen Aufbereiten eurer Lern-Inhalte?

Macht ihr das regelmäßig und wenn ja, in welcher Form?

 

 

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Kommentare: 5
  • #1

    Rene Falk Thomasius (Mittwoch, 09 März 2016 01:22)


    Hallo Frau Birkenbihl :)

    Wer weiss wie man lernt benötigt keine Lehrenden. ;)

    Bzgl. des Vortrages "Menschen beeinflussen" möchte ich darauf hinweisen das dass vorgestellte Wissen seiner Natur nach "dual use" ist. Das heisst es kann auch von sogenannten Soziopathen verwendet werden "zu manipulativen Zwecken". Möchte abschliessend darauf hinweisen das der Mittagsschlaf auch als erwachsener Mensch die Lern und Lösungsgeschwindigkeit des Denkapparates erheblich beschleunigt. Am besten ist mit einem zu lösenden "Problem einschlafen" und mit der Lösung erwachen. Das ist im übrigen konditionierbar/automatisierbar. Bester Lernzustand für das Hirn ist im übrigen das Spielen per "try and error". Ergo sozusagen nicht Lernen um des Lernens Willen sondern spielen um des Lernens willen.Aber da erzähle ich Ihnen wahrscheinlich nichts Neues. Weiterhin gutes Gelingen!

    mfG Rene Falk Thomasius

  • #2

    Rene Falk Thomasius (Mittwoch, 09 März 2016 01:33)


    p.s. 30 min "Mittagsschlaf" sind für komplexe Sachverhalte zu wenig. 1 volle Rem-phase war in meinem oben genannten Ausführungen gemeint. :)
    Bei mir sind das ca. 2 Stunden. Das Erwachen folgt dann selbstständig.
    In fast allen Fällen (70-80%) ist die Planung für eine Problemlösung dann vollständig vom Hirn selbst getroffen worden. Ich muss diese dann nur noch abarbeiten.

    mfG Rene Falk Thomasius


  • #3

    Celine Kaiser (Samstag, 26 März 2016 08:50)

    Wow. Diese wunderbare Frau Vera hat mich soo zum lachen gebracht. Ich bin fast aus dem Bett geflogen.
    So, meine Frage..... an euch alle...
    Unser Junge Sven, 8 Jahre, 2.Klasse hat es sehr schwer in der Schule (Erziehungsberatung, IQ Test, Resultat: Visuelle Wahrnehmungsstörung, die Massnahme Psychomotorik und die Tante sagte durch die Blume sie fragt sich obs nicht richtung adhs geht ) dank all den super tips bald nicht mehr☺ich freue mich auf unsere Bewusstseinsveränderung;) und Entdeckungsreise.
    Mein Mann, ich und unsere Tochter Fiona 1. Klasse, 7. Jahre brachten Ihn nun zur Psychomotorik und wir traffen unterwegs seine Lehrerinnen 2 Stück. Voller freude Grüssten wir beide und sie uns auch. Natürlich sind wir nicht stehengeblieben um evtl. kurz ein zwei Worte zu wechseln. Doch Sven fragte beide direkt und freudig"woo wahrt ihr". Da Antworten die Lehrerin mit gehemten Lachen und gefühlt das geht dich nichts an und die Antwort war" das möchtest du jetzt gerne wissen". Fertig Thema und alle gingen Ihren Weg und wir als Eltern reagierten so. " Sven, das fragt man seine Lehrerin nicht"
    Die ganze Situation ist mir sehr suspekt. Ich frage mich dauernd warum sollte er das nicht fragen dürfen. Was ist so schlimm und ich verstehe den Sven wenn er sich nicht beachtet fühlt. Ich könnte noch viele beisp. Sven, Lehrer Schule aufzählen. Wie soll ich darauf reagieren. Oder gar nicht reagieren. Zuhause werden wir nun unsere Kinder und uns Fordern mit spannenden Sachen.
    Schon nur wenn ich Vera zuhöre erregt das mich so sehr, dass mir viele Kreative Ideen in den Sinn kommen die wir als Familie machen können und ich kann meinen Kinder eine Methode anbieten zum echten lernen und behalten im Bewusstsein.
    Sorry für meine Rechtschreibfehler ihr seit ja profis im decodieren☺

  • #4

    Monika (Sonntag, 27 März 2016 19:05)

    @Rene - leider ist Vera F. Birkenbihl 2011 verstorben, wir haben aber mit ihr gemeinsam diese Akademie aufgebaut und tragen ihr Lebenswerk weiter, da es uns ein Anliegen ist, ihre großartigen Methoden und Techniken, ihre vielfältigen Forschungen und ihre jahrzehntelange intensivste Arbeit weiterleben zu lassen! Ja, ich gebe Ihnen völlig recht, spielerisches Lernen ist das genialste Lernen, incidentales (unbewusstes) Lernen passiert in zahlreichen Facetten beim Spielen!
    Dass Schlafphasen zur Verarbeitung unterschiedlich lange sind, bestätigen viele Studien, eines ist allen gemeinsam: unser Gehirn benötigt die Pausen ganz dringend, um Gelerntes verarbeiten zu können! Gibt man ihm diese Pause nicht, dann gehen wichtige Informationen verloren und können sich neue Nervenbahnen nicht festigen!
    Viel Er-FOLG weiterhin!
    mn

  • #5

    Monika (Sonntag, 27 März 2016 19:13)

    @Celine:
    Danke für Ihren großartigen Beitrag! Ja, leider ist es oft so, dass LehrerInnen mit Kindern nicht kommunizieren oder wenn, dann auf "seltsame Art und Weise". LehrerInnen sind allerdings auch oft "Opfer" des Systems, sie müssen sich dem Schulsystem beugen, anpassen und verlieren dadurch auch oft die Energie, anders zu handeln! Ich rate Ihnen, darauf nicht ärgerlich zu reagieren, schaffen Sie anstelle dessen zu Hause ein System, in dem Sven zum Fragen gefördert wird - spielen Sie Wissens-Quiz-Spiele (c vbf) mit ihm zu Themen, die er lernen muss; spielen Sie Fragespiele verschiedenster Art, lassen Sie ihn Fragen formulieren, etc ... denn Fragen sind eine der wichtigsten Möglichkeiten, um Neuro-Mechanismen zu aktiveren! Fragen öffnen den Geist! Fragen aktivieren Neuro-Mechanismen. Fragen regen unser Gehirn an, die Dinge weiter zu hinterfragen, den Deckel zu heben, weiter zu forschen!
    Unser Kinder werden mit dem vollen Potential geboren, durch Er-ZIEH-ung und Schule werden sie in ihrer Vielfalt eingeschränkt um "NORMAL zu sein ("das fragt man nicht". "das tut man nicht". "lass das" ....). Als Eltern haben Sie die Möglichkeit und auch die Aufgabe, Sven bestmöglich zu fördern und seine Kreativität ent-WICKEL-n zu lassen, indem sie Möglichkeiten bieten, gehirn-gerechte Techniken und Tools auszuprobieren!
    Viel Er-FOLG dabei und alles Liebe Ihnen und Sven!
    mn