Wie redest Du eigentlich?

>> Jedes Wort, das wir denken oder aussprechen, wirkt sich auf unsere Wahrnehmung sowie auf unsere späteren Erfahrungen aus.

 

Angenommen Du erlebst akuten Zorn, weil ein Mitmensch die Unverfrorenheit besaß, etwas zu tun, was Du unmöglich fandest. Nun "sagst" Du etwas über die Situation: Entweder Du sprichst darüber, z.B. zu einem Freund, oder aber Du "redest" mit Dir selbst darüber.

 

Das arabische Volk bezeichnet diese Art von Denken als "mit seiner Seele sprechen". Diese Formulierung hilft uns, uns darüber klar zu sein, dass unsere Seele immer zuhört, egal ob wir unsere Worte ausgesprochen haben oder ob sie nur in uns klingen (innerer Monolog).

 

Zurück zu Deiner Frust-Situation:

Was wirst Du anderen (oder Deiner Seele) jetzt erzählen? Sagst oder denkst Du vielleicht: "Ich bin stocksauer!", oder: "Ich hasse es, wenn jemand (das) tut!", oder: "Ich könnte ihn erwürgen!"? Kennst Du Deine bevorzugten Redewendungen bei Ärger? Wenn ja, dann notiere sie jetzt und wenn nein, dann frage einige Freunde, die Dir diese Frage vermutlich beantworten können, wenn Du kein allzu "stilles Wasser" bist.

 

Je "kämpferischer" Deine Formulierungen sind, desto wichtiger ist der nächste Schritt, wenn Du Dich bitte fragst: Wie wirst Du eine vergleichbare Situation in der Zukunft erleben, wenn Du anderen oder Deiner Seele regelmäßig erklärst, wie furchtbar Du leidest? Und was willst Du sagen oder denken, wenn es wirklich einmal um eine Frage des Überlebens gehen sollte, wenn Du bei Alltags-Ärger derartig schweres verbales Geschütz auffährst?

 

Was passiert, wenn Du die FORM-ulierung veränderst? Merke: Die FORM-ulierung ist die FORM, die Du Deinen Gedanken gibst: kämpferisch, Opfer sein, aufgeben, angreifen, sich krank fühlen, etc. Nun frage Dich, wie Du Dich wohl fühlst, wenn Du stattdessen sagst oder denkst: "Diese Situation fasziniert mich"? Kannst Du Dir vorstellen, dass Du mit einer derartigen FORM-ulierung eher in Richtung einer intelligenten, nachhaltigen LÖSUNG denkst, statt Dich bloß über das Problem zu erregen?

 

Das gleiche gilt, wenn wir der Umwelt unsere Gefühle mitteilen. Was wird der Auslöser unseres Zorns wohl empfinden, wenn wir ihn mit unserer Unfähigkeit, auf ihn einzugehen, konfrontieren? Und wie, glaubst Du, würde er es finden, wenn wir in der Lage wären, Interesse auszudrücken, um mit ihm gemeinsam eine (neue) Lösung anzustreben?

 

Seit langem haben Forscher und Forscherinnen darauf hingewiesen, dass Sprache das Denken und Fühlen FORM-t: Indem wir die Wörter, die wir wählen, in eine andere FORM übersetzen (TRANS ...), verändern (trans-FORM-ieren) wir zwangsläufig auch unserer Gefühle.

 

Was zunächst ein Wortspiel zu sein scheint, wird schon bald Dein Empfinden steuern. So, wie Du Dich früher selbst "in Rage" geredet hast, kannst Du Dich auch in eine verständnisvolle, kreative innere Handlung hineinreden. Sag in Zukunft in solchen Situationen zu anderen (oder Deiner Seele) neue, ebenso mächtige Worte, z.B.:

  • Faszinierend!
  • Das ist eine interessante Herausforderung.
  • Früher hätte ich mit Ärger reagiert, heute regt es mein Denken an!
  • Jetzt gilt es nur noch herauszufinden, was an der Sache positiv ist.

In Situationen, in denen Du es nicht sofort schaffst, auf eine konstruktive Formulierung, die Deine Kreativität anregt, "umzusteigen", kannst Du eine Redewendung testen, die sich schon oft bewährt hat:

  • Wie finde ich denn das?

Das Denken dieser Frage ist wie ein SPRUNGBRETT zu einer positiven Formulierung. Wird sie ausgesprochen, dann löst sie in der Regel ein erstauntes Mitdenken Deines Gesprächspartners aus.

 

Falls Du es (noch) nicht glaubst: Überzeuge Dich! Teste diese Strategie nur drei Wochen lang. Sage Deiner Seele, dass Du danach zu Deinem alten Vokabular zurückkehren darfst, wenn Du es dann noch willst. Ist das fair?

 

 

Und Du?

 

Welche Erfahrungen hast Du mit den Auswirkungen Deiner gedachten sowie gesprochenen Worte auf Deine Gefühle und die Gefühle anderer gemacht?
Hast Du noch Tipps & Tricks für andere, um bewusst mit der eigenen Sprache umzugehen und somit weniger Ärger zu spüren sowie zu verbreiten?

Wir sind gespannt auf Deinen Kommentar und freuen uns auf interessanten Austausch!

 

 

~ Vera F. Birkenbihl, Nadja Pohorely und die Vera F. Birkenbihl-Akademie

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